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Trade Republic reagiert auf das EU-Verbot von Payment for Order Flow mit einer Technologieoffensive. Die Anzahl der Orderoptionen wird ausgebaut, wobei die Gebühren für ETF Anleger weitgehend stabil bleiben.
Der Berliner Neobroker hat am 2. Juli 2026 eine vollständig neue Handelstechnologie angekündigt. Für Privatanleger sind die Änderungen vor allem deshalb interessant, weil sie direkt auf das EU weite Verbot von Payment for Order Flow folgen.
Hintergrund: Die EU hat das sogenannte Payment for Order Flow (PFOF) zur Jahresmitte verboten. Beim PFOF haben Broker Rückvergütungen erhalten, wenn sie Kundenaufträge an bestimmte Handelsplätze weitergeleitet haben. Für Trade Republic bedeutete das Verbot einen massiven Einschnitt, da laut Medienberichten etwa 30 Prozent der Umsätze von PFOF abhängig waren.
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Um die Auswirkungen des EU-Verbots auf das eigenen Geschäft zu reduzieren, hat sich Trade Republic schon früh mit Alternativen zum PFOF beschäftigt. In diesem Zusammenhang hat die Bafin dem Neobroker die Freigabe für einen eigenen Handelsplatz bereits im Frühjahr 2026 erteilt.
Bislang liefen Wertpapierorders bei Trade Republic im Kern über die LS Exchange, ein elektronisches Handelssystem der Börse Hamburg. Dieses Vorgehen passte gut zum Geschäftsmodell vieler Neobroker, bei dem niedrige Orderentgelte durch Rückvergütungen von Handelspartnern mitfinanziert wurden.
Seit dem 30. Juni 2026 ist Payment for Order Flow in der gesamten Europäischen Union verboten. Die EU will damit Interessenkonflikte reduzieren und die Qualität der Orderausführung stärker in den Vordergrund rücken.
Trade Republic reagiert nun mit einer neuen Handelstechnologie. Statt einer zentralen Ausführung über einen Handelsplatz sollen Orders künftig über mehrere Börsen hinweg verglichen oder gezielt an eine vom Kunden gewählte Börse geleitet werden können.
Laut Christian Hecker (Mitgründer von Trade Republic) sind die Neuerungen ein bedeutender Schritt für die Kunden von Trade Republic. Das Unternehmen will die komplexe Marktinfrastruktur in eine einfache Produkterfahrung übersetzen. Dabei sollen die über 10 Millionen Kunden Zugang zu Tools und Marktinfrastruktur erhalten, die bislang institutionellen Investoren, Banken und Hedgefonds vorbehalten waren.
Hinweis: Seit April 2025 ist Trade Republic ein steuereinfacher Broker in Österreich.
Für die meisten Kunden dürfte der sogenannte Best Price die wichtigste Neuerung sein. Diese Ausführungsart ist die Voreinstellung im neuen System. Ein Algorithmus vergleicht die verfügbaren Kurse an relevanten Börsen und sucht automatisch den besten handelbaren Preis. Beim Kauf zählt der niedrigste Briefkurs, beim Verkauf der höchste Geldkurs.
Die Ordergebühr bleibt bei 1 Euro pro Ausführung. Hinzu kommen wie bisher mögliche Fremdkosten und die Spanne zwischen Kauf und Verkaufskurs. Handelbar sind Aktien und ETFs, die Handelszeiten reichen von Montag bis Freitag von 7.30 Uhr bis 23.00 Uhr.
Für Anleger ist dabei nicht nur der Preisvergleich entscheidend. Trade Republic zeigt ein aggregiertes Orderbuch an, das Geld und Briefkurse verschiedener Handelsplätze zusammenführt. Damit können Nutzer vor der Order besser einschätzen, wie liquide ein Wertpapier ist und wie groß der Spread ausfällt. Gerade bei weniger gehandelten Aktien oder kleineren ETFs kann dieser Blick wichtiger sein als die reine Ordergebühr.
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Der eigentliche Fortschritt liegt in der Transparenz vor der Order. Wer einen ETF kauft, kann künftig besser sehen, welche Kurse an verschiedenen Börsen verfügbar sind. Das hilft besonders bei höheren Beträgen oder bei ETFs mit geringerer Handelsaktivität.
Neben Best Price führt Trade Republic den Direct Price ein. Dabei entscheidet der Kunde selbst, an welcher der 30 angebundenen Börsen eine Order ausgeführt werden soll. Die Gebühr liegt hier bei 2 Euro pro Order. Unterstützt werden Market Orders, Limit Orders und Stop Orders. Die Ausführung richtet sich nach den Handelszeiten des gewählten Börsenplatzes.
Direct Price dürfte vor allem für erfahrenere Anleger interessant sein. Wer eine US Aktie gezielt an der Nasdaq handeln möchte oder bei einem europäischen ETF eine bestimmte Börse bevorzugt, erhält mehr Kontrolle. Bei größeren Ordervolumina kann die Wahl eines besonders liquiden Handelsplatzes einen Spread Vorteil bringen, der die um 1 Euro höhere Gebühr übersteigt. Bei kleinen Orders wird dieser Vorteil dagegen oft kaum ins Gewicht fallen.
Wichtig ist die Einordnung der Kosten. Eine niedrige fixe Ordergebühr sagt nicht allein aus, wie günstig ein Kauf wirklich ist. Entscheidend sind auch Spread, Handelszeit, Liquidität und gegebenenfalls Fremdkosten.
Mit dem Web Trading startet auch ein browserbasiertes Web Terminal. Es ist ohne Installation nutzbar und richtet sich stärker an aktive Anleger, die mehrere Informationen gleichzeitig im Blick behalten wollen.
Zum Funktionsumfang gehören frei anpassbare Ansichten mit Charts, Orderbuch, Watchlisten und ausgeführten Orders. Dazu kommen Screener für Aktien und Derivate mit zahlreichen Kennzahlen sowie eine Portfolioanalyse. Echtzeitmarktdaten für Xetra, Euronext und Nasdaq sind in Teilen kostenlos enthalten. Zusätzliche Premiumdaten sollen ab 5 Euro pro Monat und Markt verfügbar sein.
Für klassische ETF Sparer ist das Web Terminal kein Muss. Es kann aber helfen, Einstiegszeitpunkte und Handelsplätze besser zu prüfen. Wer nur langfristig per Sparplan investiert, wird viele Funktionen vermutlich selten benötigen.
ETF Sparpläne bleiben nach den vorliegenden Angaben kostenlos. Einzelkäufe über Best Price kosten weiterhin 1 Euro. Damit bleibt das Gebührenniveau für typische Buy and Hold Anleger zunächst vertraut.
Für langfristige Portfolios bleibt jedoch die Gesamtkostenquote des Fonds ein zentraler Faktor. Auch Tracking Differenz, Fondsgröße, steuerliche Struktur und Spread sind relevant. Die Wahl zwischen Best Price und Direct Price sollte deshalb nicht isoliert an der Ordergebühr hängen. Bei einem kleinen ETF Kauf ist der automatische Best Price häufig naheliegend. Bei einer sehr großen Order kann sich ein genauer Blick auf Liquidität und Börsenplatz lohnen.
Eine Anlageentscheidung ersetzt das neue Handelssystem nicht. Es liefert mehr Werkzeuge, aber keine Garantie für bessere Ergebnisse. Wer langfristig investiert, sollte weiterhin auf breite Streuung, passende Risikostruktur und niedrige laufende Fondskosten achten. Das gilt auch dann, wenn die Orderausführung künftig moderner und flexibler wird.
Tipp: Mit unserem ETF Sparplan-Rechner einfach berechnen, wie sich dein Vermögen entwickelt.
Die neue Handelstechnologie von Trade Republic ist auch ein Signal an den europäischen Brokermarkt. Nach dem Aus für Payment for Order Flow müssen Anbieter klarer zeigen, wie sie Handel finanzieren und wie sie gute Ausführung sicherstellen. Möglich sind explizite Ordergebühren, größere Spreads, Abo Modelle, Premiumdienste oder eigene Handelsstrukturen.
Für Privatanleger ist diese Entwicklung bisher positiv zu bewerten. Mehr Transparenz und mehr Börsenauswahl sind ein guter Startpunkt. Es bleibt abzuwarten wie andere Broker auf den Schritt von Trade Republic reagieren.
Tipp: Mehr Informationen zu Trade Republic findest du in unserem Vergleich Neobroker für Österreich.
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