Wenn die Börse dreht und Kurse fallen, müssen Verluste nicht das einzige Ergebnis sein. Short-ETFs (alternativ: Inverse-ETFs) ermöglichen es, genau in solchen Phasen Gewinne zu erzielen. Doch bevor du einen solchen ETF kaufst, solltest du genau verstehen, wie dieses spezielle Instrument funktioniert und wo die Risiken liegen.

Ein klassischer ETF bildet einen Index eins zu eins ab. Ein Short-ETF dreht diese Logik um. Er entwickelt sich invers zum zugrundeliegenden Index. Steigt zum Beispiel der DAX um 5%, verliert der DAX-Short-ETF rund 5%. Fällt der DAX um 5%, gewinnt der Short-ETF entsprechend.
Das klingt simpel, ist aber in der Praxis komplexer. Denn die Wertentwicklung eines Short-ETFs hängt nicht allein von der Indexbewegung ab. Hinzu kommen Faktoren wie der aktuelle Geldmarktsatz (z. B. der €STR), die Kosten für die Wertpapierleihe sowie die laufenden ETF-Kosten (TER). Die Berechnung ist also nicht einfach „Index mal minus eins".
Tipp: Lies immer das Factsheet des Short-ETFs bevor du kaufst. Dort findest du alle relevanten Informationen zur Berechnungsmethode, den Kosten und dem Hebel.
Short-ETFs nutzen Derivate wie Swaps oder Futures um die inverse Entwicklung eines Index nachzubilden. Sie kaufen also keine Aktien des Index, sondern gehen über Finanzkontrakte eine Short-Position ein. Das unterscheidet sie grundlegend von klassischen ETFs, die den Index durch den direkten Kauf der enthaltenen Wertpapiere replizieren.
Da Short-ETFs als UCITS-Fonds aufgelegt sind, gelten für sie dieselben europäischen Anlegerschutzregeln wie für reguläre ETFs. Das bedeutet: Das investierte Kapital ist als Sondervermögen geschützt und fließt im Insolvenzfall des Anbieters nicht in die Insolvenzmasse.
Das größte konzeptionelle Risiko bei Short-ETFs ist die sogenannte Pfadabhängigkeit. Short-ETFs bilden den Index nur auf täglicher Basis invers ab. Über mehrere Tage hinweg kann die tatsächliche Entwicklung stark von der erwarteten abweichen und das selbst wenn der Index unter dem Strich auf dem Ausgangsniveau bleibt.
| Tag | Indexstand | Änderung ggü. Vortag | Short-ETF (Start: 100 €) | Änderung ggü. Tag 0 |
|---|---|---|---|---|
| 0 | 7.500 | 100,00 € | ||
| 1 | 7.200 | -4,00 % | 104,00 € | +4,00 % |
| 2 | 7.600 | +5,56 % | 98,22 € | -1,78 % |
| 3 | 7.800 | +2,63 % | 95,64 € | -4,36 % |
| 4 | 7.500 | -3,85 % | 99,32 € | -0,68 % |
| 5 | 7.500 | 0,00 % | 99,32 € | -0,68 % |
Obwohl der Index an Tag 5 wieder auf dem Ausgangsniveau notiert, steht der Short-ETF im Minus. Das liegt daran, dass jeden Tag eine neue Berechnungsbasis entsteht. Stark schwankende Märkte verstärken diesen Effekt erheblich und zwar zu Ungunsten des Anlegers.
Wichtig: Die Pfadabhängigkeit wirkt sich bei seitwärts oder volatil tendierenden Märkten negativ aus. Nur bei einem klar gerichteten, kontinuierlichen Abschwung entwickelt sich ein Short-ETF so, wie viele Anleger es erwarten.
Short-ETFs werden typischerweise für zwei Zwecke genutzt:
In beiden Fällen gilt, dass Short-ETFs sich nur für kurzfristige, taktische Einsätze eignen. Wegen der Pfadabhängigkeit ist eine dauerhafte Absicherung mit Short-ETFs wenig effizient und kostspielig, da die Position regelmäßig angepasst werden müsste.
Tipp: Wer sein Depot langfristig absichern möchte, sollte sich andere Optionen wie eine breitere Diversifikation ansehen. Das kann in vielen Situationen effektiver und günstiger sein.
| Merkmale | Short-ETFs |
|---|---|
| Sondervermögen | Kapital ist im Insolvenzfall geschützt |
| Kein Knock-Out | Kein plötzlicher Totalverlust durch Kurschwelle |
| Einfach handelbar | Börsentäglich kaufen und verkaufen wie jeder ETF |
| Keine Nachschusspflicht | Risiko auf den investierten Betrag begrenzt |
| Pfadabhängigkeit | Abweichungen bei längerer Haltedauer |
| Spekulativ | Gegen den langfristigen Aufwärtstrend der Märkte |
| Höhere Kosten | TER von 0,30 - 1,00% je nach Produkt und Hebel |
| Kein Vermögensaufbau | Nicht für langfristiges Investieren geeignet |
Short-ETFs sind in der Regel teurer als klassische ETFs auf denselben Index. Die laufenden Kosten (TER) liegen je nach Produkt und Hebel zwischen 0,30 und 1,00 % pro Jahr:
Zusätzlich zu den laufenden Kosten sollte man auf die Handelskosten (Spread) achten. Hier gibt es je nach Produkt und Börsenplatz erhebliche Unterschiede. Ein hoher Spread kann gerade bei kurzfristigen Engagements die Rendite spürbar schmälern.
Tipp: Finde noch mehr ETFs mit unserer ETF Suche und unseren ETF Ratgebern.
Das Angebot ist groß und deckt die bekanntesten Indizes ab. Zu den bekanntesten Short-ETFs gehören:
Neben einfachen Short-ETFs (Hebel 1) gibt es auch gehebelte Short-ETFs (Hebel 2). Bei diesen verdoppelt sich die inverse Bewegung: Ein Minus von 4 % im ATX würde beim 2x gehebelten Short-ATX-ETF zu einem Plus von rund 8% führen und entsprechend auch umgekehrt.
Wichtig: Gehebelte Short-ETFs sind noch riskanter und für die meisten Privatanleger nicht geeignet.
Short-ETFs sind ein interessantes, aber anspruchsvolles Instrument. Wer sie einsetzt, ohne die Pfadabhängigkeit zu kennen, riskiert böse Überraschungen. Für langfristigen Vermögensaufbau sind sie schlicht ungeeignet, da sie strukturell gegen den historischen Aufwärtstrend der Aktienmärkte wetten.
Wer Short-ETFs dennoch nutzen möchte, sollte folgendes beachten (keine Anlageberatung):
Tipp: Mit unserem ETF Sparplan-Rechner kannst du berechnen, wie sich dein Vermögen über die Zeit entwickelt.
Durch Diversifikation soll das unsystematische Risiko des Portfolios verringert werden. Das unsystematische Risiko beschreibt das Risiko das ein Anleger eingeht, wenn er sein gesamtes Geld in nur ein Anlageobjekt wie beispielsweise einen nicht marktbreiten ETF investiert.
Ein Short-ETF eignet sich nur für kurzfristige und taktische Einsätze. Wegen der Pfadabhängigkeit ist eine dauerhafte Absicherung mit Short-ETFs wenig effizient und kostspielig.
Zur Risikostreuung sollten Anleger z.B. in einen ETF auf den FTSE All-World investieren. Mit so einem marktbreiten Basis-Investment profitieren Sparer von der globalen wirtschaftlichen Entwicklung und reduzieren gleichzeitig das Anlagerisiko.
Wer stärker in einzelne Themen investieren möchte, sollte das nur als Beimischung zu einem breiten Basisinvestment wie dem MSCI World oder FTSE All-World (Keine Anlageberatung).
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Risikohinweis: Veranlagungen in Finanzinstrumenten sind mit Risiken verbunden und können neben den Erträgen auch zum Verlust des eingesetzten Kapitals führen. Frühere Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.
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